Positionspapier der Leipziger offenen Kinder- und Jugendarbeit – Handle with care

Handle with care – Offene Freizeittreffs bei der Planung mitdenken
Leipzig wächst. Dabei sind es gerade die jüngeren Bevölkerungsgruppen, für die ein besonders hohes Wachstum vorausgesagt wird. Schaut man auf die in der Stadt hierzu bisher mitgedachten Angebote für Kinder und Jugendliche, findet man Schulneubauten, Kita und auch die Forderung nach dem Ausbau von Schulsozialarbeit. Alles richtige und wichtige Punkte und doch sucht man vergebens nach der Forderung, offene Freizeitangebote in die Planung einzubeziehen.
In einer Stellungnahme appellieren die Fachkräfte der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Leipzig gemeinsam mit dem Stadtjugendring und dem Berufsverband für Soziale Arbeit in Sachsen jetzt an die Kommune, Jugendzentren nachhaltig zu stärken.
In Leipzig stehen Kindern und Jugendlichen immer weniger öffentlich zugängliche Freiräume zur Verfügung! Derzeit sind es noch 39 Offene Freizeittreffs, die jährlich von insgesamt mehr als einer Viertelmillion Kindern und Jugendlichen besucht werden. Sie sind über das Stadtgebiet verteilt, stehen allerdings längst nicht in allen Ortsteilen zur Verfügung.
In den letzten 2 Jahren hat in Leipzig ein Treff geschlossen, ein zweiter wird mittlerweile „umgenutzt“. Der Umfang der von der Stadt bezahlten Personalstunden für Fachkräfte sinkt stetig und damit auch die Anzahl der Öffnungszeiten, sowie die Anzahl der interessenspezifischen Projekte, die begleitend stattfinden. „Dabei geht es nicht einfach nur um den Erhalt von Arbeitsplätzen. Wer uns das vorwirft, der denkt viel zu kurz.“, so Matthias Stock, Vorsitzender des DBSH Sachsen. „Vielmehr geht es darum, dass sich Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter auch als Anwälte für die Interessen von Kindern und Jugendlichen verstehen und sich für diese einsetzen. Deshalb ist es notwendig, endlich an die Öffentlichkeit zu gehen, um den schleichenden Abbau zu stoppen und Orte zu sichern, in denen sich junge Menschen frei entfalten und ihre eigenen Interessen einbringen können.“ Gerade ist in Dortmund der Bundeskongress für Kinder- und Jugendarbeit zu Ende gegangen, auf dem diese zentrale Bedeutung von Jugendtreffs noch einmal ausdrücklich hervorgehoben wurde.
Dafür braucht es jedoch auch konkrete Orte. Leipzig sei faktisch ausverkauft, titelte unlängst eine Zeitung und meinte den Immobilienmarkt, der boomt und die Grundstücks- und Mietpreise in die Höhe schnellen lässt. Da wird auch der Raum für außerschulische Jugendarbeit knapp und unbezahlbar. So war man in den letzten fünfzehn Jahren in Leipzig durchschnittlich 3 Jahre auf der Suche nach einem Alternativstandort, wenn man einen neuen Jugendtreff suchte. Einige wurden ersatzlos gestrichen und der letzte Neubau liegt über 10 Jahre zurück. „Wird dieses Thema bei der Stadtplanung jetzt nicht mitgedacht, werden zukünftig kaum Optionen bleiben oder es wird richtig teuer.“, warnt Corinna Graf, Geschäftsführerin des Stadtjugendring Leipzig e. V.
Das Heranwachsen von Kindern und Jugendlichen ist heute mehr denn je von vielfältigen Herausforderungen geprägt. Während sich die Diskussion in der Öffentlichkeit oft auf tatsächliches oder potentielles Gefährdungsverhalten beschränkt, – wahlweise bezogen auf Jugendgewalt, Verletzungen der öffentlichen Ordnung, gefährdetem Bildungserfolg, Suchtmittelmissbrauch oder ungesundem Ernährungsverhalten – bleiben wesentliche Entwicklungsaufgaben unterrepräsentiert. Zu ihnen zählen die Auseinandersetzung mit den an sie gestellten Anforderungen, die Entwicklung einer stabilen Persönlichkeit und einer eigenen Identität, die Bewältigung von sozialen Aushandlungsprozessen sowie der Kompetenzerwerb für eine weitestgehend selbstbestimmte Lebensführung.
Jugendtreffs bieten genau dafür öffentlich zugängliche Räume, deren Besuch freiwillig und kostenfrei sowie dazu geeignet ist, ungleich verteilten Teilhabemöglichkeiten unter Kindern und Jugendlichen entgegenzuwirken. Sie bieten vielfältige Bildungs- und Selbstverwirklichungsmöglichkeiten. Nicht zuletzt stellen sie Orte dar, an denen junge Menschen demokratische Mitbestimmung konkret erfahren können. Hier treffen sie ihre Freunde und sind gemeinsam mit anderen aktiv. Für manche Kinder ist ihr Jugendzentrum wie ein zu Hause. Hier erleben sie Anerkennung und Selbstwirksamkeit.
Um die Qualität der sozialpädagogischen Begleitung sicherzustellen, braucht es dafür allerdings bessere Rahmenbedingungen: ausreichend Fachkräfte, unter anderem für eine Doppelbesetzung während der Öffnungszeiten, tarifgerechte und angemessene Vergütung, die Sicherstellung von Öffnungszeiten entsprechend des tatsächlich ermittelten Bedarfes sowie die Bereitstellung einer zweckentsprechenden Ausstattung. Gleichzeitig regen die Fachkräfte eine Zusammenarbeit mit der HTWK Leipzig an, um den Bereich Jugendarbeit in der Ausbildung zu stärken.
Gerade hat sich Leipzig auf den Weg gemacht „jugendgerechte Kommune“ werden zu wollen. Da wäre es ratsam, neben vielfältigen anderen Jugendangeboten, eine bedarfsdeckende Bereitstellung von Offenen Freizeittreffs in die Planung einzubeziehen.
Die Stellungnahme der Fachkräfte kann im Volltext auf den Seiten des Stadtjugendring Leipzig sowie des Berufsverbandes für Soziale Arbeit in Sachsen heruntergeladen werden.
Im Sinne einer breiten Diskussion freuen sich die Fachkräfte über Rückmeldungen und Anregungen unter der Mailadresse okja.leipzig@dbsh-sachsen.de.

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