Interkulturelle Öffnung in der verbandlichen Jugendarbeit

Interkulturelle Öffnung des Bunds Deutscher PfadfinderInnen

1948 wurde der BDP als ein traditioneller, überkonfessioneller Pfadfinderverband gegründet. Keiner Erwachsenenorganisation unterstellt und verpflichtet, wehte der Wind der Jugend- und StudentInnenbewegung in den 60er Jahren stärker durch den BDP als durch andere Jugendorganisationen und brachte Bewegung in den Verband. Basisdemokratische Strukturen und politisches Engagement wurden gefordert, antiautoritäre Experimente gestartet. Die folgenden Diskussionen über die neuen Pfade des Verbandes führten 1972 zur Spaltung des BDP, indem der traditionelle Flügel den BDP verließ und sich als BdP [Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder] neu konstituierte. Der BDP (mit großem D und großem I) legte nun den Pfadfinderschwur und die Kluft ab und beschritt neue Wege. Neben der klassischen ehrenamtlich organisierten Jugendgruppenarbeit engagierte sich der Verband auch in den Feldern offene Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und Sozialarbeit mit unterschiedlichen Bildungsprojekten. Dabei ist von der traditionellen Pfadfinderarbeit vieles übernommen und weitergeführt worden. In Hessen gibt es die ausgeprägteste Jugendverbandsstruktur. In Bremen und Berlin engagiert sich der Verband in der Jugendsozialarbeit und in der offenen Jugendarbeit, was gute Voraussetzungen für das Thema interkulturelle Öffnung bietet – mit einem Schwerpunkt auf Freizeitangeboten. Pfadfindertechniken werden weiterhin vermittelt. Es gibt gemeinsame Fahrten, Lager und internationale Begegnungen. Die Spurensicherung in der Natur wurde erweitert um politische Erkundungen, die Erkundung historischer und politischer Spuren am Wohnort oder im Ausland. In Seminaren und Workshops kann man sich qualifizieren, zur Gruppenleiterin und zum Gruppenleiter ausbilden lassen, oder einfach nur neue Einblicke gewinnen, diskutieren und Neues ausprobieren.

Das Thema „Interkulturelle Jugendarbeit“ stand 2010 im Mittelpunkt. Neben einem Arbeitskreis Migration gab es unterschiedliche Aktionen und Veranstaltungen zum Thema. Es wurden Publikationen, Poster und Postkarten zu Themen wie Israel/Palästina, Vorurteile und Bildung publiziert. Der Bund Deutscher PfadfinderInnen in Bremen beschäftigt sich eher mit rassismuskritischer Jugendarbeit und organisiert auch Fachveranstaltungen zu diesem Thema.

Die Finanzierung der Aktivitäten zur interkulturellen Öffnung des BDP erfolgte aus der Regelförderung des Kinder- und Jugendplanes des Bundes ohne zusätzliche Mittel; jedoch gab es eine Evaluation.

Offen Fragen:
Wie gewinnt man einzelne Gruppen in Verbänden für das Thema  und welche ggf. andere Herangehensweise für die Gewinnung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund können entwickelt werden?

Neben den konventionellen Zugängen der Jugendverbandsarbeit sollten die Zugänge über die offene Jugendarbeit stärker genutzt werden.
Berührungspunkte zwischen offener Jugendarbeit und Jugendverbandsarbeit aufzugreifen, dies wurde im BDP besonders in einem Projekt zur Mädchenarbeit realisiert.

Wirkt der Verbandsname „Bund Deutscher PfadfinderInnen“ eher abschreckend für bestimmte Gruppen oder Milieus? Wie offensiv geht der BDP im interkulturellen Kontext mit seiner verbandlichen Identität um?

Es stellt sich möglicherweise die Frage, ab wann man beginne seine verbandliche Identität zu verlassen, um Offenheit nach außen zu signalisieren, aber gleichzeitig Gefahr laufe sein Profil zu verlieren. Dann könne es zu einem Problem werden, wenn der Name und das Etikett nicht mit der Veränderung bzw. Identität eines Verbandes einhergingen. Dies bedeute dann beispielsweise für den BDP, dass er seine Öffentlichkeitsarbeit so ausrichten müsste, dass seine speziellen und für ihn typischen Angebote hervorgehoben werden, jedoch ohne gleichzeitig eine bewusst oder unbewusst abgrenzende Wirkung zu erzielen.

Der BDP rückt das Gruppenleben und Gruppenerfahrung in den Vordergrund . In einer vielfältigen Stadt wie Berlin mit einem hohen Anteil an Jugendlichen mit Migrationshintergrund sei es jedoch in der Tat schwierig mit einer PfadfinderInnen-Verbandsidentität junge Menschen mit Migrationshintergrund zu erreichen.

Mehr zum Thema im Abschussbericht der FH Köln zur Interkulturellen Öffnung in der verbandlichen Jugendarbeit hier als PDF

FH-Koeln_DJI_Abschlussbericht_Forschungsprojekt

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